Soja kennen wir vor allem in Bezug auf Importe aus den USA, Kanada oder beispielsweise Brasilien. Dabei spielt die Problematik der Genmanipulation für Europa eine große Rolle. Immer wieder gelangt an Genen manipuliertes Soja als Tierfutter auf den europäischen Märkten. Und so haben sich mehrere Verbände, Bauern und landwirtschaftliche Genossenschaften dem Thema Soja-Anbau auch in Deutschland verschrieben, um Soja auch auf deutschen Feldern zu etablieren. Dabei sind in Sachsen Anhalt große Flächen für Soja vorgesehen und auch in Bayern experimentiert man mit der „exotischen“ Frucht, beispielsweise auch mit Flächensaat oder Reihensaat. Auf der Brala (Brandenburgische Landwirtschaftsausstellung) in Paaren bei Berlin war sogar ein extra Soja-Zelt aufgebaut, wo sich ein Saatgutvertrieb für Soja präsentierte. Wert legt man hier auf spezielle Züchtungen, welche definitiv nicht an den Genen manipuliert worden sind.

Verarbeitung der Sojabohnen zu Tierfutter

Es gibt mehrere Möglichkeiten, Soja zu verarbeiten, üblich ist es, an Schweine Sojaschrot zu verfüttern. Doch auch sogenannter Soja Kuchen und Soja Öl können aus Soja gewonnen werden. Bei Sojaschrot wird die Soja Bohne zerkleinert, dann wird mittels Hexan das Öl aus den Bestandteilen gezogen und danach wird die Masse erhitzt, dies wird Toasten genannt, um das Hexan wieder aus der Masse zu bekommen. Danach wird die Masse getrocknet und ist sogenanntes Sojaschrot.

Andere wiederum bevorzugen die Kaltpressung, wie einst bei der Sojaölgewinnung wird das Öl aus den Sojabohnen gepresst und gesammelt. So kann man noch das Sojaöl verwenden. Höchstwahrscheinlich ist die Kaltpressung zeitaufwendiger und dadurch teurer. Aber in der Videoplaylist zum Thema Soja in Deutschland sagt ein Kaltpresser, der Toaster muss nicht unbedingt schlechter sein, wenn er es richtig macht.

Fleischersatz für Vegetarier und Veganer

Manche Menschen haben sich entschlossen, kein Fleisch mehr zu essen. So werden in vielen Biomärkten und Reformhäusern auch Tofubratwürste angeboten, weil ne Bratwurst ja früher zu den Lieblingsspeisen gehörte. Tofu wird übrigens aus Soja hergestellt, siehe das Video von der Maus.

Sicherlich kann man sich darüber streiten und sagen, wer auf Fleisch verzichtet, sollte auch keine nachgebildeten Würste essen. Und wenn man sich überlegt, das Schoko oder Vanille Aroma aus Holz von Bäumen gewonnen wird, weil es günstiger ist, damit wir für 60 Cent ne Tafel Schokolade kaufen können, ahnt sicherlich, dass mit Soja und chemischen Prozessen auch Fleisch nachgebildet werden könnte, ohne es zu bemerken. (Anmerkung und persönliche Meinung des Autors: „Ich bin der Meinung, wenn man für Tierschutz ist, sollte man ganz auf Fleisch verzichten, oder aber prüfen, wo oder wie das Schwein oder Rind denn gelebt hat. Und wenn es doppelt soviel kostet, dass Wohl des Tieres zählt mehr.“)

Des weiteren gibt es sogenannte Sojadrinks, die als Milchersatz dienen. Vor allem für Menschen mit Laktose-Intoleranz kann Soja zumindest in Sachen Genuss eine gute Alternative zu Tiermilch sein. Wie die Gesamtbalance zwischen Tierfütterung, Bioenergie und diversen Soja-Lebensmitteln aussieht, hat die Sendung Galileo auf ProSieben in der folgenden Doku näher beleuchtet.

http://www.prosieben.de/tv/galileo/videos/duell-soja-vs-kuhmilch-clip

Außerdem noch eine Ausgabe der Sendung mit der Maus!

Zahlen und Fakten – 1960 bis Heute

Insgesamt hat sich der Sojaanbau auf diesem Erdball seit 1960 vervierfacht. Waren es damals noch 24 Millionen Hektar Anbaufläche bei einer Tonne Ertrag pro Hektar, heute liegt dieser bei knapp 100 Millionen Hektar Anbaufläche bei rund 2,3 Tonnen pro Hektar. Deutschland importiert heute 80 Prozent der Sojaprodukte aus Südamerika, weitgehend aus Brasilien und Argentinien. Umweltschützer sehen das kritisch, weil immer mehr Amazonas Urwald abgeholzt und der Landwirtschaft gewidmet wird.

http://www.wwf.de/themen-projekte/landwirtschaft/ernaehrung-konsum/fleisch/soja-als-futtermittel/

Fruchtfolge und Tipps zum Anbau und Vermeidung von Krankheiten

Beim Anbau sollte man beachten, dass Soja, Raps, Kartoffeln oder Sonnenblumen nicht unbedingt in einer Fruchtfolge vorkommen sollten, legt man Wert auf eine gesunde Fruchtfolge. Zwischen dem Anbau der einzelnen Früchte sollte man Getreide anbauen, möglichst 2 bis 4 Jahre sollte diese Regel gelten. Richtige Fruchtfolgen sind eine Wissenschaft für sich und es gibt auf unterschiedlichen Websites unterschiedliche Angaben für Nord- und Süd-Deutschland.

Theorie: Der erste Übeltäter heißt „Sclerotinia sclerotiorum“

Der Pilz „Sclerotinia sclerotiorum“ ist Verursacher der Pflanzenkrankheit Weißstängeligkeit (auch Rapskrebs oder Sklerotinia genannt). Die im letzten Absatz genannten Nutzpflanzen Kartoffeln, Raps, Soja und Sonnenblumen gehören neben anderen Leguminosen (Hülsenfrüchte, zu denen auch die Sojabohne zählt), Unkräutern sowie Waldpflanzen zu den sogenannten Wirtspflanzen. Alle diese Pflanzen können eine nachhaltige Infizierung des Bodens mit  „Sclerotinia sclerotiorum“ bewirken, denn wenn bspw ein befallener Rapsschlag oder eine Fläche mit Soja per Drescher gedroschen wird, fällt der Pilz in den Boden und kann über 3 Jahre auch ohne dominante Wirtspflanze überleben.

Doch woher kommen die unterschiedlichen Angaben, dass man nur alle 3 oder 4 Jahre diese Wirtspflanzen anbauen darf? Ganz klar ist hier ein Unterschied zwischen den Angaben in Nord- und Süd-Deutschland zu erkennen. Des weiteren gibt es auch positivere Berichte, desto weiter wir von der Küste entfernt sind. Im Übrigen wird vor allem Raps des Befalls mit diesem Pilz beschuldigt. In Süd- und Mitteldeutschland hat man scheinbar kaum Probleme und man traut sich den Raps- oder Sojabohnen-Anbau auch alle 3 Jahre. Sollte übrigens ein Schlag mit dem Pilz befallen sein, helfen auch die meisten chemischen Keulen nichts. Einzige sinnvolle Maßnahme, den Pilz loszuwerden, wäre dann, auf betroffenen Schlägen in den folgenden 3 bis 4 Jahren auf Kulturen wie Mais, Getreide, oder Rüben zu setzen.

https://www.lfl.bayern.de/ipz/oelfruechte/062705/index.php

Auch auf Sojaschlägen unterwegs: Rhizoctonia-Fäule

Darüberhinaus werden enge Ölsaat-Mais-Fruchtfolgen kritisch gesehen, wobei auch Kartoffeln oder Zuckerrüben zu den Wirtspflanzen des Rhizoctonia solani zählen. Dies ist ein weltweit verbreiteter Pilz, der in nahezu allen Böden Mitteleuropas vorkommt. Auch diverse Unkräuter und Gräser helfen dem Pilz dabei, zu überleben. In den USA und in Brasilien hat er bei starkem Befall zu Ertragsverlusten von rund 50 % bei der Sojabohnen-Ernte geführt. In Deutschland sind die Ertragsverluste bisher gering und beschränken sich bisher auf Teilflächen („Nester“).

Die Pflanzen beginnen zu welken, verbräunen und sterben häufig vollständig ab. Bei Befall sind in diesen „Nestern“ von der beginnenden Welke bis zum Absterben der Sojapflanzen meist verschiedene Krankheitsstadien  zu beobachten. Bei genauerer Betrachtung am ehesten auffällig sind wohl die braunen Läsionen auf den Stängeln, welche komplett durch den Befall erfasst werden und absterben können. Kleinere Läsionen führen nicht unbedingt zum Absterben der Pflanzen.

Wie Dr. Hubert Sprich von ZG Raiffeisen eG in seinem Artikel auf www.sojafoerderring.de schreibt, ist aus der Literatur bekannt, dass diese Pilzkrankheit auch bereits den Sojakeimling vor dem Auflaufen zum Absterben bringen kann. So entstehen unspezifische Fehlstellen, wo einfach nichts wächst, ein Sachverhalt der verstärkt bei nasskalten Bedingungen nach der Aussaat auftritt. Diese Symptome treten verstärkt auf Flächen mit häufigem Anbau von Sojabohnen, Zuckerrüben, Kartoffeln oder Mais auf.

Wie lässt sich der Befall vermeiden?

Auszug aus dem unten verlinkten Artikel des Sojaförderrings: „Der Befall mit Rhizoctonia solani wird in erster Linie durch Bodenverdichtungen und eine schlechte Bodenstruktur begünstigt. Daher sind alle Maßnahmen die Strukturschäden und Staunässe vermeiden wie ein termingerechter Maschineneinsatz und eine regelmä­ßige Kalkung sinnvoll. Durch einen aufeinander folgenden Anbau von Wirtspflanzen (Soja, Kartoffel, Zuckerrüben, Mais etc.) erhöht sich das Inokulum im Boden, wodurch die Gefahr einer Infektion zunimmt. Mit acker- und pflanzenbaulichen Maßnahmen wie einer sachgerechten Fruchtfolge, dem Zwischenfruchtanbau, einer Bodenlockerung und einer regelmäßige Kalkung kann dem Schaden entgegengewirkt werden. Derzeit sind in Deutschland im Gegensatz zu anderen Kulturen bei Soja keine fungiziden Beizen gegen Rhizoctonia solani zugelassen.“

http://www.sojafoerderring.de/anbauratgeber/krankheiten-und-schaedlinge/rhizoctonia/

Soja-Anbau in der Praxis

Was ist zu beachten, bei der Standortwahl? Bevorzugt werden in erster Linie möglichst ebene Flächen, da, vorausschauend auf die Ernte bedacht werden muss, dass die Druschhöhe im Gegensatz zu Getreide, Mais oder erst recht bei Sonnenblumen, sehr niedrig ist. So sollten steinige Böden gemieden, oder aber die Flächen angewalzt werden, was auch mit geeigneter Saattechnik gewährleistet werden kann.

Die Aussaat sollte nicht bei nasskalten Bedingungen unter 10 Grad beginnen. Dies liegt an möglichem Pilzbefall und dadurch entstehenden Auflaufschäden, jedoch sollte die Aussaat auch nicht zu spät stattfinden. Anständige Behandlung mit Kalk ist in der Realität notwendig, vor allem im letzten Absatz wird darauf hingewiesen, warum. Bei Nicht-Bio Betrieben wird direkt nach der Aussaat gespritzt, um Unkräuter zu bekämpfen. Im Bioanbau ist durch die bevorzugte Einzelkorn-Reihensaat der Einsatz von Reihenhackmaschinen möglich.

 

Große Anbieter wie Kverneland, Horsch und Väderstad preisen vor allem ihre Einzelkorn-Saattechnik für den universellen Einsatz für Mais, Zuckerrüben, Sonnenblumen und Soja, teilweise auch Hirse (auch Sorghum genannt), an. Auch Lemken gibt an, dass die neue Azurit-Einzelkorn-Sämaschine Soja beherrscht, jedoch habe ich in Videos auch die Aussaat mit Lemken Saphir Drillmaschine sehen können. Bevorzugt wird allerdings die Einzelkornaussaat, denn die Planzen sind stärker, haben mehr Licht, mehr Nährstoffe, die sie sich nicht mit so vielen Geschwisterpflanzen teilen müssen. Die Einzelkornaussaat hat sich bewährt, es sind die unterschiedlichesten Reihenabstände möglich. Die Bauern müssen dabei noch etwas Pionierarbeit leisten und experimentieren in gewissen Gegenden Deutschlands noch mit richtigen Reihenabstand. Die echte Landwirtschaft ist eben doch komplizierter, als man denkt.

http://lemken.com/de/lemken-aktuell/news/detail/detail/neue-lemken-azurit-fuer-die-einzelkornsaat/

http://www.vaderstad.com/de/produkte/einzelkornsaat/tempof

Die Ernte erfolgt dann mit ganz normalen Rotormähdreschern und üblichen Getreideschneidwerken, wobei sich laut Fachmännern Draper-, also Band-Schneidwerke besser eignen. Zudem ist, wie eingangs erwähnt, die Druschhöhe sehr tief, da die Pflanze auch tief am Stängel möglichst noch Früchte tragen soll und diese auch geerntet werden sollen.

Übrigens, vielleicht ist es auch für die Praxis in Deutschland interessant, Ölrettich als Zwischenfrucht anzubauen. Er verträgt sich übrigens auch mit Soja und Getreide in der Fruchtfolge als Zwischenfrucht recht gut.

Soja-Anbau im Landwirtschafts-Simulator 17

Wir können uns auf eine neue spannende Fruchtart freuen. Natürlich war der Praxis-bezogene Teil sehr lang, aber soweit ich weiß, interessiert sich unsere Zielgruppe auch sehr für Landwirtschaft im echten Leben und vielleicht ist ja für den einen oder anderen Modder oder Mapper eine Idee dabei. Natürlich wird der Sojaanbau im LS17 nicht ganz so kompliziert. Sä und Erntetechnik ist genügend vorhanden. Natürlich wird es Kalk (noch?) nicht geben. Vielleicht folgt ja wieder Marhus Gülle Mist und Kalk Mod. Spannend wird sein, ob man die Soja auch direkt an die Tiere verfüttert. Bei Kühen sollte das gehen, bei Schweine und Geflügelfutter ist wie oben beschrieben eine Nachbehandlung nötig. Ob Giants  das oder etwa strikte Fruchtfolgen zumindest in komplizierteren Menü-Einstellungen vorgesehen hat, bleibt abzuwarten.

Und an die lieben Freunde, die einfach nur zocken wollen: Habt keine Angst, man kann den ganzen Schnick Schnack übers Menü auch weglassen und Soja so einfach anbauen können, wie Getreide oder Raps im LS15! Und natürlich wird es die bösen Pilze im originalen LS17 nicht geben.

Zudem geht noch ein dicker Dank an Simulatortipps fürs Titelbild. Bitte besucht die Website doch mal:

www.simulatortipps.de

Genfreies Sojasaatgut:

www.saatgut-kaufen.eu